7 Klima-Mythen von Unternehmen
Das Thema rund um die Klimakrise ist lange in der Gesellschaft angekommen - und sorgt für ordentlich Gesprächsstoff, Fragezeichen und Unverständnis. Egal ob im Privatleben oder im beruflichen Kontext - überall sind sie zu finden, die Klima-Mythen. Lass uns doch ein paar von ihnen genauer betrachten, oder?
“Wir haben keine Kapazitäten für Klimaschutz”
Sustainability-Teams werden in Unternehmen immer mehr gefragt. Gleichzeitig wird "Nachhaltigkeit" ein immer mehr geforderter Skill bei Arbeitgeber*innen und ein immer mehr gelernter Skill von Arbeitnehmer*innen. Schauen Sie sich um in Ihrem Unternehmen - Ihre Kolleg*innen könnten Sie überraschen.
Großkonzern Nestlé hat Stand 2023 etwa 270 000 Mitarbeiter*innen weltweit. Wenn auch nur 10% der Arbeiter*innen in der Nachhaltigkeitsabteilung tätig wären, wären das immerhin 27000 Köpfe.
“Es ist zu spät, etwas zu ändern”
Eine Vermutung, die sich hervorragend als Ausrede eignet, weiterzumachen wie bisher. Doch es ist nie zu spät für eine positive Veränderung - sie sollte in diesem Kontext nur so schnell wie möglich passieren; sind die globalen Kipppunkte erreicht, gibt es kein Zurück mehr. Wie viel Zeit uns noch in etwa bleibt, kannst du in diesem Artikel lesen.
Hier und jetzt können sich Unternehmen entscheiden einen positiven Beitrag zur Eindämmung der Folgen der Klimakrise beizutragen. Sie können Teil der Lösung sein und nicht weiter Teil des Problems.
“Aber in China…”
China emittiert insgesamt viel mehr als kleine Länder wie Österreich und die Schweiz oder nicht ganz so kleine Länder wie Deutschland.
Dass in China mehr als doppelt so viele Menschen leben wie in allen EU-Staaten zusammen, wird bei diesem Argument gerne außer Acht gelassen. Ebenso wie die Tatsache, dass die Emissionen in China zu einem nicht unerheblichen Teil für die für Europa produzierten Waren anfallen. Und dass die Pro-Kopf-Emissionen in Europäischen Ländern trotzdem deutlich höher sind als in China:
Der CO2-Ausstoß pro Kopf beträgt in Deutschland etwa 10 Tonnen pro Jahr, in China etwa 7,5 Tonnen und beispielsweise in Indien weniger als zwei Tonnen.
Quelle: "Die Kunst der Ausrede" - Thomas Brudermann
“Die Technologie wird das Klima retten”
... ist ein Statement, dass viel zu komplex ist um in wenige Zeilen auszudiskutieren.
Es gibt definitiv Technologien, die sich positiv in Punkto Klimabilanz entwickelt haben: Energiesparender, Effizienter, Langlebiger - wie man etwa in der aktuellen Wende zu erneuerbaren Energien beobachten kann.
Diese Technologien bilden jedoch nicht die Mehrzahl. Um die Klimakrise zu bewältigen gehört immer noch eine Menge Eigenverantwortung, konkrete Maßnahmen und der Wille, die Welt positiv zu verändern.
Neue Technologien (wie etwa die Künstliche Intelligenz) verwenden und weiter produzieren und konsumieren wird das Klima nicht retten. Das Gegenteil ist der Fall.
“Klimaschutz schadet der Wirtschaft”
Was kostet uns mehr: eine Wirtschaftskrise oder eine Klimakrise?
Oft heißt es, man dürfe mit dem Klimaschutz nicht zu weit gehen und keinesfalls das Wirtschaftswachstum gefährden. Tatsächlich kann ein uneingeschränkter Klimawandel enormen ökonomischen Schaden anrichten:
Laut einer Studie würden die Bruttoinlandsprodukte weltweit bis 2100 um geschätzte 37 Prozent sinken, im schlimmsten Fall sogar um 50 Prozent. Das Ignorieren der Klimakrise hätte demnach einen nie dagewesenen und langfristig wirkenden Wirtschaftseinbruch zur Folge.
Quelle: "Die Kunst der Ausrede" von Thomas Brudermann, S. 193 ff.
“Klimaschutz ist zu teuer”
Klimaschutz ist deutlich günstiger als dessen Folgen. Die Kosten des Nichts-Tuns beim Klimaschutz belasten die öffentliche Hand sehr. Laut einer WIFO-Studie zumindest im Ausmaß von 5,4 bis 7 Milliarden Euro pro Jahr (Stand 2024). So könnten etwa künftige Ausgaben für Klimawandelanpassung bis 2030 1,7 Milliarden Euro pro Jahr ausmachen.
Um es mit den Worten von Eckart von Hirschhausen zu formulieren: "Das Teuerste, was wir jetzt tun können, ist nichts"
“Wir sind schon umweltfreundlich”
"Wir trennen unseren Müll, fahren mit dem Unternehmens E-Auto, fliegen nur alle 2 Monate mit dem Flugzeug zu Businessveranstaltungen und essen Bio-Fleisch."
Die Größe und Mengen an CO2-Emissionen sind für uns oft schwer fassbar. Auch deren Verteilung. Daher folgen hier ein paar Beispiele, wie eine Tonne CO2-Äquivalente aussehen können.
Eine Tonne CO2-Äquivalente entspricht etwa:
… einem Hin- und Rückflug Berlin – Kreta für 1 Person in einem normalen Passagierflugzeug.
… ca. 4.000 Kilometer Fahrt mit einem durchschnittlichen Auto (Verbrennungsmotor).
… ca. 10.0000 Kilometer Fahrt mit einem Elektroauto, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien kommt.
… 4 bis 7 Jahren moderatem Rindfleischkonsum (ca. 1 Kilogramm pro Monat).
… 3 bis 4 Tagen auf einem Kreuzfahrtschiff.
… weniger als einer Handvoll Transfers mit der Kryptowährung Bitcoin.
… 2 Millionen Klicks im Internet.
Zum Vergleich: Eine Tonne CO2 entspricht etwa dem Volumen eines Würfels mit acht Metern Kantenlänge. Eine Buche muss 80 Jahre lang wachsen, um eine Tonne CO2 wieder zu binden.
Quelle: "Die Kunst der Ausrede" von Thomas Brudermann, S. 77