Barrierefreien Content für Social Media erstellen

Barrierefreien Content für Social Media erstellen

Deine Message ist wichtig - aber nicht für alle verständlich

So viel vorweg, diese Liste ist mehr eine Guideline als in Stein gemeißelte Regelung. Die folgenden Tipps sollen als Hilfe gelten, um euren Content auf Social Media barrierfreier zu machen. 

Stand Jänner 2024 sind etwa 5 Milliarden Menschen auf Sozialen Netzwerken unterwegs. Darunter befinden sich auch Menschen mit Behinderungen, von denen es laut der World Health Organisation (WHO) geschätzt etwa 1,3 Milliarden weltweit gibt.  

Barrierefreier Content erreicht also eine viel größere Reichweite, mehr Interaktion und erhöht die Anzahl an Follower - und ist das nicht genau das, was Unternehmen auf Social Media erreichen wollen?

In den Tipps werden auf die folgenden Social Media Plattformen eingegangen:

  • Instagram
  • Facebook
  • LinkedIn
  • YouTube
  • TikTok
  • X

 


Eine Schriftart genügt

Auf Social Media wird gerne mit unterschiedlichen Schriften und Schrifttypen gearbeitet. Manchmal werden auch Buchstaben durch Emojis oder Ähnliches ersetzt. Grundsätzlich ist das aber gar nicht möglich, denn die Plattformen haben keine Möglichkeit zur Bearbeitung der Texte. Wie schaffen es Content Creator dann aber, Texte in “bold”, “kursiv” oder gar eine ganz andere Typografie zu verwenden? Durch externe Tools.

Das Problem dabei ist, dass diese nur oberflächlich eingebettet werden und von Screenreadern nicht erkannt werden. Beim Vorlesen werden diese also einfach ausgelassen.


Bilder und Alternativtext

Soziale Medien sind sehr visuelle Plattformen, die primär mit Bildern und Bewegtbildern gefüttert werden. Aber auch Menschen, die mit einer Sehbehinderung leben, nutzen Soziale Medien regelmäßig. Viele Inhalte können sie aber nicht wahrnehmen, weil sie nicht barrierefrei sind.

Sehbehinderungen reichen von leichten visuellen Einschränkungen hin zur kompletten Blindheit. Für jene mit schwacher bis starker Sehbeeinträchtigung ist die kontrastreiche Bildsprache von großer Bedeutung. Auch die Größe der Schriftart spielt für viele Menschen eine wichtige Rolle.

Daher: Alternativtexte zu den Bildern einfügen! Auf den Plattformen Facebook, Instagram, X und LinkedIn gibt es dafür Felder beim Hochladen der Bilddateien. Als Alternative dazu - oder wenn die verwendete Plattform keine eigenen Felder für Alternativtext zur Verfügung stellen - können die Bildbeschreibungen auch in die Caption oder als Kommentar des Posts gepackt werden. Wichtig ist hier deutlich zu machen, ab wann es sich um die Bildbeschreibung handelt. Einige Content Creator kennzeichnen dies mit einem “b!”.

Zwei Bilder stehen nebeneinander. Das linke Bild ist ein Beispiel für guten Kontrast in Farbe und Text. Das rechte Bild ist ein schlechtes Beispiel für Farbe und Text.

 

Wie schreibt man Alternativtexte richtig?
Als “Regel” habe ich für mich gesetzt: so lange, wie man brauchen würde, um das gezeigte Bild visuell zu begreifen, so lange sollte auch in etwa in den Alt-Text investiert werden.
Außerdem hängt die Länge und Detailliertheit des Alt-Textes davon ab, wie wichtig die Information des Bildes ist.

Handelt es sich um ein rein dekoratives Bild, das eher wenig relevant für die Kernaussage ist, reicht eine kurze Beschreibung. Ist das Bild aber von größerer Bedeutung für die Kernaussage (etwa das Foto einer Smoothie Bowl auf einem Food Account), kann der Alt-Text detaillierter ausfallen.

Es ist weitaus besser unperfekten Alternativtext zu schreiben als gar keinen. Gibt es keinen Alternativtext, liest der Screenreader einfach nur “Bild”. 


Videos und Untertitel

Vor allem Videos erobern immer stärker die sozialen Medien. Ganze 70-80% der User geben an, Videos ohne Ton zu schauen - aus welchen Gründen auch immer. In diesem Beispiel wird schnell klar, welche Vorteile es hat, die Kernaussage des Videos zusätzlich und in anderer Form zur Verfügung zu stellen: etwa durch Untertitel oder Audiobeschreibungen.
Ein gutes Beispiel dafür ist etwa dieses Video von Apple.

Auf Plattformen wie YouTube, Facebook, Instagram, X und TikTok gibt es die Möglichkeit, Untertitel automatisch generieren zu lassen. Diese haben den weiteren Vorteil, dass sie von Usern an- und abgeschaltet werden können. Je nach Plattform lassen sie sich auch vergrößern und nach Belieben platzieren.

Emojis mit Bedacht einsetzen

Emojis sind aus unserer geschriebenen Kommunikation kaum noch wegzudenken. Und das ist auch gut so! Emojis können teilweise ganze Sätze ersetzen, können lange Monologe auflockern oder kurze Statements unterstreichen. Sie sind aber mit Bedacht einzusetzen.

Warum? Weil auch Screenreader sie sehen, bzw. sie lesen. Und das kann dann in etwa so aussehen:

Hahahaha 🤣🤣🤣🤣
... wird vom Screenreader so vorgelesen: Hahahaha,  Sich vor Lachen auf dem Boden wälzen, Sich vor Lachen auf dem Boden wälzen, Sich vor Lachen auf dem Boden wälzen, Sich vor Lachen auf dem Boden wälzen.


oder so…
🤯️ WOW 🤩 Gratuliere zur neuen Position 🥳 🥳 Das ist echt spitzenmäßig! 👏🏼👏🏼👏🏼👏🏼👏🏼

Dann liest der Screenreader nämlich sowas vor: 
Gesicht mit explodierendem Kopf, Wow, Gesicht mit Sternenaugen, Gratuliere zur neuen Position, Partygesicht, Partygesicht, Das ist echt spitzenmäßig!, Applaus mittel-helle Hautfarbe, Applaus mittel-helle Hautfarbe, Applaus mittel-helle Hautfarbe, Applaus mittel-helle Hautfarbe.

Ist auf Emojis deswegen zu verzichten? Nein, natürlich nicht. Aber im Hinterkopf behalten, dass willkürlich eingesetzte Emojis den Lesefluss für jene, die auf Hilfsmittel wie Screenreader angewiesen sind, deutlich einschränken können.

 


Hashtags: Wenn, dann richtig

Ja, auch Hashtags sind - zumindest wie sie aktuell bevorzugt verwendet werden - nicht ganz barrierefrei. Werden mehrere Wörter hintereinander geschrieben (wie wir sie in Hashtags kennen), liest der Screenreader sie als ein durchgehendes Wort, was zu Unverständnis führen kann.


Wie schreibt man Hashtags also richtig? Dafür gibt es zwei Möglichkeiten.
1) CamelCase Hashtags - hier werden alle Wörter groß geschrieben.
#VonInklusionProfitierenAlle

2) Pascal Hashtags - hier wird das erste Wort klein geschrieben und die restlichen groß.
#vonInklusionProfitierenAlle

 

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass
Zu Beginn mögen sie vielleicht nach "viel" aussehen, doch einmal angewendet kommt ihr schnell drauf, dass es sich meist um Kleinigkeiten handelt. Mit guter Vorausplanung spart ihr einiges an Zeit und erreicht dabei eine viel größere Menge an Menschen auf sozialen Netzwerken!

 

Wissen ist wertvoll!

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